2009 11 15 Why don’t you smile
2009/11/15
optionpink
Liebe Pinky
Die kalte, neblige Schweiz hat mich wieder! Auch wenn ich deinen Geburtstag nicht mit dir feiern konnte, so habe ich an dem Tag natürlich an dich gedacht und schau mal… ein ganz spezielles Foto für dich gemacht!
Man entkommt Starbucks nicht, sogar im heissen Aegypten lacht er einen an – a home away from home… sozusagen
Ja, wie war sie denn nun, deine Geburtstagsparty? Ich hoffe, du hast dich so richtig feiern und verwöhnen lassen!
Ich habe mich auch verwöhnen lassen – von der Sonne! Es gibt doch nichts Schöneres, als im November der Kälte und Dunkelheit zu entfliehen und ein paar Tage Sonne zu tanken. Jeden Tag lag ich von morgens bis abends im Liegestuhl, liess meine Haut von der Sonne erwärmen und bräunen, las viele Bücher und Zeitschriften und unterbrach die Trägheit zwischendurch mit einem erfrischenden Sprung ins kühle Meer oder in den noch kühleren Pool. Was für ein privilegiertes Leben! Aber eine Woche süsses Nichtstun genügt vollkommen, danach machen sich die „Hummeln im Hintern“ (wie meine Grossmutter zu sagen pflegte) wieder bemerkbar, es muss wieder etwas Leben ins Leben kommen!
Aegypten ist faszinierend: einerseits reich an Kultur, aber anderseits natürlich auch beliebtes Ziel für Badeferien. Sharm el Sheikh hat sich innerhalb von 20 Jahren vom kleinen Fischerdorf zur touristischen Hochburg entwickelt. Hotels, Discotheken, Burger King, McDonalds und nicht zuletzt Starbucks wurden aus dem Boden gestampft. Mit dem ursprünglichen Aegypten hat dies wenig zu tun. Aber die Touristen zieht es in Scharen an – auch mich. Obwohl ich dazu sagen muss, dass ich mir eine Hotelanlage ausserhalb des Zentrums ausgesucht habe. Ich schätzte die Ruhe sehr, Discos und McDonalds brauche ich nicht mehr, was Starbucks anbelangt… Ok, auch darauf könnte ich – schweren Herzens – eine Woche – verzichten
Allerdings frage ich mich, was der Touristenboom in den Einheimischen auslösen muss. Die Stadt im muslimischen Land wird plötzlich von halbnackten Touristen eingenommen. Diese benehmen sich wie zu Hause – oder noch schlimmer, denn hier kennt sie ja niemand. Die (männlichen) Einheimischen passen sich an und behandeln die (weiblichen) Touristen wie Freiwild. Wo man geht und steht, wird man mit einem anzüglichen Lächeln angemacht, sei das nun vom Poolboy, vom Kellner oder mit den Worten „fresh meat!“ vom Verkäufer auf dem Markt. Anfangs bemühte ich mich, höflich und unverbindlich zurückzulächeln, ich wollte nicht als kühle, hochnäsige Schweizerin rüberkommen. Doch nach zwei Tagen hatte ich die Nase voll, ich ignorierte die Möchtegern-Playboys, sah durch sie hindurch. Ich war nicht nach Aegypten gekommen, um mir ein Schäferstündchen zu besorgen, mir ging diese Anmache mächtig auf die Nerven. Dies hatte zur Folge, dass der Kellner, der mir vorher jeden Tag zugewunken hatte, auf mich zukam und fragte „why don’t you smile?“. Sie wollen es nicht kapieren, sie denken wirklich, jede Frau, die ohne Mann nach Aegypten kommt, ist auf eine schnelle Nummer aus. Eine Schweizerin, die seit 7 Jahren in Sharm el Sheikh wohnt, erklärte mir, dass wir dieses anzügliche Benehmen vor allem den russischen Frauen zu verdanken haben. Sie kommen nach Aegypten, schnappen sich den erst besten Mann, vergnügen sich, greifen sich den nächsten und verlassen dann befriedigt das Land. Widerlich! Was Thailand für die Männer ist, war Kenia für die Frauen und Aegypten scheint dem nun den Rang abzulaufen. Schade, um dieses wunderschöne Land, das so viele Schätze zu bieten hat! Mir ist dabei das Lächeln tatsächlich vergangen!
DD,
pretty in pink
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