2010 02 12 Hanibal

Deine Geschichte vom Centipede kann ich ja so gut nachvollziehen! Allerdings musste ich erst mal googeln, ich hatte keine Ahnung, wie ein Centipede aussieht! Naja, mein Fall ist es nicht, bin weiss Gott auch kein Insektenfreund und hatte schon einige traumatische Erlebnisse. Erstaunlich eigentlich, dass mir die Geckos so gar nichts ausmachen. Absoluter Höhepunkt an traumatischem Erlebnis war während meiner Australienreise am Cape Tribulation. Hier ein Original-Auszug aus meinem Tagebuch vom 30. Mai 1992: „ Ein Aufwachen mit Schrecken! Ich öffnete meine Holzlucke, damit ich mehr Licht zum Lesen hatte und fiel beinahe in Ohnmacht. Ich konnte nur „oh Gott“ sagen und schon waren auch meine vier Mitreisenden wach. An meiner Lucke klebte eine riesige Spinne (ca. 10 cm Durchmesser) mit haarigen Beinen und einem fetten Körper, der etwa so gross wie eine Pop Swatch war. Eklig! Ich zügelte sofort meinen Schlafsack und meine Sachen, mit diesem Tier wollte ich nicht in Berührung kommen. Hier in Australien weiss man nie, ob Spinnen giftig sind. Immer wieder musste ich sie anschauen und sagte „läck, isch die hässlich!“. Meine Reisebegleiter meinten erst, ich würde mal wieder masslos übertreiben. Doch als sie sich Hanibal, wie wir das Tier fortan nannten, näher anschauten, rannten alle sofort los, um ihre Fotoapparate zu holen. So eine grosse Spinne hatten wir nun wirklich noch nicht angetroffen. Ich ging zur Reception und verlangte nach jemandem, der sich mit Spinnen auskannte. Harry kam, sah die Spinne und sagte sofort „a female grey huntsman“, sie sei nicht giftig und nicht aggressiv. Beruhigend, aber mich störte sie immer noch. Harry nahm ein Stück Papier und wollte die Spinne rausschmeissen. Doch sie schreckte auf und krabbelte quer über die Wand aufs obere Bett. Ich bekam am ganzen Körper eine Gänsehaut. Er berührte sie nochmals mit dem Papier, sie krabbelte weiter und verschwand, so gross wie sie war, in einer kleinen Ritze. Mein Retter grinste mich an und meinte, das Problem sei gelöst, die Spinne sei nun „next door“.“ Erst Tage später erfuhr ich, dass die Grey Huntsman kein Spinnennetz webt, sondern ihre Beute anspringt… Da war mein Trauma perfekt, ich stellte mir immer wieder vor, wie ich im Schlaf von einer Grey Huntsman angesprungen werde – mitten ins Gesicht!

Vielen Dank für die schönen Gecko-Fotos! Sind halt schon herzige Tiere! Dein Bericht über Hawaii hat mich grad wieder wehmütig gemacht. Ich werde sie einfach nicht los, diese Krankheit, die man Fernweh nennt! Das Reisefieber ist bei mir bald schon chronisch. Aber zum Glück sind wir ja schon wieder mitten in der Planung für die nächsten Ferien. Und dann steht ja schon bald mein Kurztrip nach Abu Dhabi an. Darauf bin ich ja sehr gespannt. Innerhalb von wenigen Monaten wird dies mein zweiter Abstecher in die arabische Welt sein. Ich werde dir dann ausführlich darüber berichten.

Aber bevor wir in die Ferne schweifen, sollten wir erstmal den Schnee in der Schweiz geniessen. So mag ich den Winter: richtig kalt und mit Schnee. Ok, die Schneemassen halten sich bei uns in Grenzen, aber immerhin ist es weiss. Grad gestern habe ich Bilder von Amerikas Ostküste gesehen. Zum Teil haben die so viel Schnee wie seit 100 Jahren nicht mehr. Und dann finden auf der gegenüber liegenden Seite des Landes bei 10 Grad (Frühling!) die Olympischen Winterspiele in Vancouver statt – verrückte Welt.

DD,

Pretty in Pink

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2009 12 30 – und noch ein letztes Lächeln im 2009

Liebe Pretty in Pink,

Es ist schon ewig her, seit Du mir so interessant über Ägypten berichtet hast. Ja, ich verstehe genau, was Du meinst, das Lächeln könnte einem auf diese Weise schon vergehen, kenne ich doch von meinem Sommertrip nach Jamaica, da war’s genauso schlimm. Aber lassen wir das lieber, unterdessen bin ich ja – Du weisst schon wo – auf Hawaii.

Guck mal, da lachen sie einem schön frech an :-) extra für Dich aufgenommen!

Hier erlebe ich wie immer Natur pur, man muss halt nur die Augen öffnen. Klein Gecko war im Badezimmer, die grösseren Kollegen draussen, auf dem Papaya-Baum, im Gear-Shack, einfach überall, wo man sich umschaut. Nun ja, da gibt es noch andere Abenteuer in meinem Badezimmer, gestern nacht war’s die ‘Schaben’ Jagd, igitt, ich hasse diese Insekten. Da kenne ich nichts, die überleben bei mir nicht, sorry. Dann, heute morgen nach dem Rennen, wollte ich nichts ahnend eine Dusche nehmen. Lasse also wie üblich das Wasser warm laufen, geht schon ein Weilchen, bis das warme Wasser bei mir oben fliesst. Dann steige ich in die Wanne und gucke so zum Abfluss, weil mich da irgendetwas irritiert. Denke, so aus dem Augenwinkel, warum um Himmels Willen, kommt da ein Büschel Haare durch den Ablufss hoch!!! Shriek! Was heisst hier Haare, das war ein Centipede, ein riesen Ding, eins von den fiesen, deren Biss echt schmerzhaft ist, oder bei Allergikern sogar zum Tod führen kann. Ich also kreisch, springe hoch auf die Umrandung und das Biest da unten zappelt quer durch die Wanne. Glaubst Du, der hätte es bestimmt den Rand hoch geschafft und mich in den Fuss gepieckt! Ne, Du, nicht mit mir, hab ihn dann in halsbrecherischer Akrobatik mit Wasser bespritzt, sodass er sich schwimmend wieder Richtung Abfluss bewegte, aber nix da, schon zappelte er sich wieder frei und ich in meiner Panik drehe also den Heisswasserhahn voll auf. Quitsch, kreisch, zappel …. nix mehr. Oh-ou, ist er jetzt ertrunken, oder im Heisswasser verbrannt oder stellt er sich nur tod? Outch, ich bin eine Mörderin, es schaudert mich, läuft mir kalt den Rücken hinunter, aber das Ding muss weg, tod oder lebendig. Nahm also allen Mut zusammen und spühlte das Ding das Klo runter. Guck jetzt immer vorsichtig um die Ecke, bevor ich irgendwo hineintrete :-)

Wie auch immer, ich geniesse hier die 3 Wochen auf Hawaii total, kannst Dir gar nicht vorstellen, wie gut das tut. Ich schlafe so viel wie schon lange nicht mehr, bin trotzdem ständig müde. Hänge an der Beach rum mit meinen Freundinnen, die 100 von Stories kennen, hast Du ja auf meinem Spezialblog schon gesehen und dann verschlinge ich Bücher wie ‘warme Weggli’. Danke übrigens für das Geschenk, Bat, Prat, Love, kenn ich noch nicht, aber wenn’s Hilary schon hat und sie’s gut fand, muss ich lesen … nur nicht gerade jetzt, fahre voll auf Englische Literatur ab und hab grad echt Mühe überhaupt Deutsch zu sprechen, geschweige denn zu schreiben. Sorry also für allfällige Fehler :-) Aber ja, das Buch, ich werde noch genügend Zeit haben auf meinem langen Heimweg zum Lesen, oder danach in meiner Leidensphase nach der OP. Ach, nein, weder an das eine noch das andere mag ich jetzt denken.

Also, lass ich tag-täglich den Aloha-Spirit auf mich wirken und freue mich über jeden Sonnenauf- und Sonnenuntergang, über alle Turtles, Geckos und sonstigen freundlich gesinnten ‘Tiere’, wie zB gelbe Vögel, die sich vor meinem Rückspiegel beim Auto aufplustern :-) dann über die vielen netten, aufgestellten Leute, jene, die frühmorgens mit mir joggen, mich im Starbucks bedienen und auch heute noch Weihnachtskaffee servieren, obwohl die  Saison dafür schon vorbei ist, die Gate-Wächter, die Gärtner, die vermummten Arbeiter im Lab, die Cashier im WalMart, Target oder Ross, die Beachboys und vor allem meine Freunde, die mich wie immer total zuvorkommend aufgenommen haben. Ach ja, once you’re caught by the aloha spirit, you can’t get rid of it.

Nun ja, lasse Dich mal wieder in der kalten, grauen Schweiz deinem Alltag nachgehen, aber vorher muss ich Dir noch ganz kurz von meinen Neujahrsplänen erzählen. Werde nämlich den neusten Inseltrend mitmachen, take a boat ride down to where the lava drops into the ocean. Uhhhh, can’t hardly wait to see it :-)

Take care, and happy New Year!

Pinky

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2009 11 15 Why don’t you smile

Liebe Pinky

Die kalte, neblige Schweiz hat mich wieder! Auch wenn ich deinen Geburtstag nicht mit dir feiern konnte, so habe ich an dem Tag natürlich an dich gedacht und schau mal… ein ganz spezielles Foto für dich gemacht! DSC03089webMan entkommt Starbucks nicht, sogar im heissen Aegypten lacht er einen an – a home away from home… sozusagen :-)

Ja, wie war sie denn nun, deine Geburtstagsparty? Ich hoffe, du hast dich so richtig feiern und verwöhnen lassen!

Ich habe mich auch verwöhnen lassen – von der Sonne! Es gibt doch nichts Schöneres, als im November der Kälte und Dunkelheit zu entfliehen und ein paar Tage Sonne zu tanken. Jeden Tag lag ich von morgens bis abends im Liegestuhl, liess meine Haut von der Sonne erwärmen und bräunen, las viele Bücher und Zeitschriften und unterbrach die Trägheit zwischendurch mit einem erfrischenden Sprung ins kühle Meer oder in den noch kühleren Pool. Was für ein privilegiertes Leben! Aber eine Woche süsses Nichtstun genügt vollkommen, danach machen sich die „Hummeln im Hintern“ (wie meine Grossmutter zu sagen pflegte) wieder bemerkbar, es muss wieder etwas Leben ins Leben kommen!

 

Aegypten ist faszinierend: einerseits reich an Kultur, aber anderseits natürlich auch beliebtes Ziel für Badeferien. Sharm el Sheikh hat sich innerhalb von 20 Jahren vom kleinen Fischerdorf zur touristischen Hochburg entwickelt. Hotels, Discotheken, Burger King, McDonalds und nicht zuletzt Starbucks wurden aus dem Boden gestampft. Mit dem ursprünglichen Aegypten hat dies wenig zu tun. Aber die Touristen zieht es in Scharen an – auch mich. Obwohl ich dazu sagen muss, dass ich mir eine Hotelanlage ausserhalb des Zentrums ausgesucht habe. Ich schätzte die Ruhe sehr, Discos und McDonalds brauche ich nicht mehr, was Starbucks anbelangt… Ok, auch darauf könnte ich – schweren Herzens – eine Woche – verzichten ;-) Allerdings frage ich mich, was der Touristenboom in den Einheimischen auslösen muss. Die Stadt im muslimischen Land wird plötzlich von halbnackten Touristen eingenommen. Diese benehmen sich wie zu Hause – oder noch schlimmer, denn hier kennt sie ja niemand. Die (männlichen) Einheimischen passen sich an und behandeln die (weiblichen) Touristen wie Freiwild. Wo man geht und steht, wird man mit einem anzüglichen Lächeln angemacht, sei das nun vom Poolboy, vom Kellner oder mit den Worten „fresh meat!“ vom Verkäufer auf dem Markt. Anfangs bemühte ich mich, höflich und unverbindlich zurückzulächeln, ich wollte nicht als kühle, hochnäsige Schweizerin rüberkommen. Doch nach zwei Tagen hatte ich die Nase voll, ich ignorierte die Möchtegern-Playboys, sah durch sie hindurch. Ich war nicht nach Aegypten gekommen, um mir ein Schäferstündchen zu besorgen, mir ging diese Anmache mächtig auf die Nerven. Dies hatte zur Folge, dass der Kellner, der mir vorher jeden Tag zugewunken hatte, auf mich zukam und fragte „why don’t you smile?“. Sie wollen es nicht kapieren, sie denken wirklich, jede Frau, die ohne Mann nach Aegypten kommt, ist auf eine schnelle Nummer aus. Eine Schweizerin, die seit 7 Jahren in Sharm el Sheikh wohnt, erklärte mir, dass wir dieses anzügliche Benehmen vor allem den russischen Frauen zu verdanken haben. Sie kommen nach Aegypten, schnappen sich den erst besten Mann, vergnügen sich, greifen sich den nächsten und verlassen dann befriedigt das Land. Widerlich! Was Thailand für die Männer ist, war Kenia für die Frauen und Aegypten scheint dem nun den Rang abzulaufen. Schade, um dieses wunderschöne Land, das so viele Schätze zu bieten hat! Mir ist dabei das Lächeln tatsächlich vergangen!

DD,

pretty in pink

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2009 11 08

Liebe Pretty in Pink,

Da hast Du ja so Recht, lasse mir doch den Geburtstag nicht verderben. Wie Du ja gestern erfahren hast, habe ich mir auch schon das erste Gebrutstagsgeschenk gleich selber überreicht.

Als ich am morgen frierend vom Markt Richtung Starbucks lief, hatte ich eigentlich nur meinen üblichen heissen Caramel Macchiato im Kopf. Aber Du ahnst ja nicht, welche Gefühle durch mich hindurch geströmt sind, als ich die Eingangstüre öffnete. Es roch nach der Holiday Season, uiii, die Special Holiday Coffees wurden schon draussen auf einem Schild gross angekündigt. Was würde ich nehmen, mhh, einen Toffee Nut Latte, zu fett? Nope, hatte bereits entschieden, da fiel mein Blick auf ein hübsches weisses Tannenbäumchen mitten in einem Korb. Und? Was denkst Du lag da in diesem Korb. Uff, die neue Bärenkollektion, Weihnachtsbären, er als Santa und sie als Mrs. Santa. Wow, Du kennst ja meine Leidenschaft für Starbucks Bären und hast ja auch mein MMS bekommen. Ich habe mir den Santa Bär zum Geburtstag selber gekauft.

Da sass ich also zufrieden mit meine Toffee Latte, dem Bären, einer Zeitung und sendete Dir das Bild von Kaffee und Bären mit den besten Wünschen für Deine Ferien. Nein, nein, bin gar nicht eifersüchtig, mag ich Dir ja voll gönnen, nur wäre ich am Liebsten selber mitgekommen. Staunte ja gar nicht schlecht, als ich so prompt eine Antwort von Dir bekam, vermutete ich Dich doch schon in Ägypten. Anyhow, ich fand’s ganz toll, dass wir gestern noch in aller Ruhe zusammen die Holiday Season im Starbucks einläuten konnten :-)

Nun habe ich heute also die ersten Vorbereitungen für meinen kleinen Apéro am Mittwoch getroffen. Ja, schade bist Du nicht da, wie gesagt, wir holen das dann noch nach :-)

Es leben die Geburtstage!!!

CU and happy Holiday!

Pinky

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2009 11 06 – Geschenke und so

Liebe Pinky

Ich bin entsetzt! Wie kann nur jemand sagen, dass Geburtstage nichts Spezielles sind?? Das ist DEIN Tag, da sollst DU gefeiert werden. Und zu dieser Feier gehören bei mir die Geschenke dazu – nenn‘ es das Kind in der Frau… ;-) Das muss absolut nichts Materialistisches sein, einfach eine kleine Aufmerksamkeit, ein Gedanken. Also, wenn du mal eine big party zu deinem Geburtstag möchtest, gib Bescheid, ich nehme das noch so gerne an die Hand! Ist ja sozusagen mein Job…

Und was die Geschenke angeht, die müssen bei mir auch an Weihnachten unter dem Baum liegen! Keine Weihnachten ohne Geschenke! Ist meine Einstellung, aber selbstverständlich darf jeder seine eigene Meinung darüber haben. Ich mag diesen ganzen Kommerz auch nicht; wenn schon Ende August (ich schwörs, dieses Jahr war es Ende August im Coop Lenzburg!) die Weihnachtsguetzli in den Supermärkten aufliegen, das ist doch dekadent. Wer möchte Lebkuchen essen, wenn er bei 26 Grad das Freibad geniessen kann?? Das ist wie wenn du Weihnachten am Strand feierst. Habe ich auch schon erlebt und fand es überhaupt nicht lustig. Weihnachten heisst für mich kalt, Schnee, Tannenbaum, Familie… und Geschenke! Da denke ich sehr traditionell und ich bin froh, dass meine Familie genauso traditionell denkt.

Aber Weihnachten ist ja noch so weit weg, eigentlich möchte ich noch gar nicht darüber sprechen. Viel lieber freue ich mich jetzt auf meine bevorstehenden Ferien in Aegypten. Was gibt es Schöneres, als dem kalten, dunklen November zu entfliehen in ein Land, wo einen Sonne, Strand und Meer erwarten? Eigentlich sind das ja meine Sportferien, wo ich mich sportlich betätigen sollte. Aber ich weiss nicht, ob Aegypten wirklich für Sportferien geeignet ist – abgesehen natürlich von Tauchen und Schnorcheln. Ich denke mal, dass sich meine sportliche Betätigung auf das Umblättern in meinem Buch beschränken wird… ;-)

Wie auch immer, ich freue mich, dass du wieder gesund bist und ich hoffe, dass auch ich Aegypten gesund überstehen werde (die Schweinegrippe ist ja in aller Munde, aber auch vor Montezumas Rache sollte man sich im Land der Pyramiden vorsehen…).

Ich wünsche dir ein wunderschönes Geburtstagsfest mit ganz vielen Geschenken! Dass wir eine Feier im kleinen Rahmen nachholen werden, versteht sich von selbst!

DD,

pretty in pink

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2009 11 04 – noch nicht ganz 41

Liebe Pretty in Pink,

Hab’s immer noch nicht geschafft, noch 7 Tage bis zu meinem Geburtstag. Dann kann ich Dir eventuell eine Antwort darauf geben, ob mit 41 Jahren die senile Bettfluch anfängt. Im Moment komm ich nicht vor 9:00 Uhr aus dem Bett. Das sind aber ganz andere Gründe, es hat mich nämlich erwischt, nicht was Du jetzt denkst, nein, nein, nur eine heimtückische Grippe. Auch keine Schweinderlgrippe, sondern ganz normal Schnupfen, Husten und Fieber. Ich bin schon freiwillig zu Hause geblieben, kann ja auch von hier aus das Wichtigste erledigen. Aber dabei bleibt’s denn auch, da ich gar nicht mehr zu tun in der Lage bin, fühle mich ja so lahm und elend.

Nun das soll auf  jeden Fall ändern und nächste Woche will ich wieder top fit in mein nächstes Lebensjahr starten. Darum nehme ich jetzt auch ein paar Medikamente, sodass dieses Dilemma ganz rasch vorbei sein wird. Ich freue mich irrsinnig auf den Geburtstag. Wie Du schon erwähnt hast, hatte auch ich als Kind diesen Gschänkli-Tisch und ich war immer super nervös und aufgeregt. Das hat sich dann im Laufe der Jahre geändert, nämlich dann als mir mein Partner unverblühmt mitteilte, dass Geburtstage nichts Spezielles seien und er sicher nicht auf Kommando etwas schenken würde. Feiern, na ja, das lag gerade noch so drin, aber dann musste ich schon selber alles organisieren. Denkst Du, er hätte mich mal mit etwas überrascht. Nope, da gab’s kein Pardon, seine Einstellung zählte, alles andere nicht. Nun, da diese Ära auch erledigt ist, kann ich voll und ganz wieder meinen Geburtstag geniessen, feiern, darauf zufiebern und einfach nur Freude daran haben.

So bin ich jetzt, eine Woche vorher schon am Planen für einen kleinen Apéro mit ein paar netten Leuten. Schade dass Du nicht kommen kannst, doch ich gönne Dir ja Deine Ferien auch von Herzen und wir werden dann nachher ein gemeinsames Geburtstagsessen nachholen. Das wird dann sicher auch wieder etwas ganz Spezielles werden.

Pretty in Pink, lassen wir doch das Alter, Alter sein und geniessen unsere Geburtstage und vor allem unser Leben einfach wieder jeden Tag von Neuem!!!

Liebe Grüsse, Pinky

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2009 10 20 – Geburtstag

Hi Pinky

Sag mal, kann es wirklich sein, dass mit 41 die senile Bettflucht anfängt??? Ich weiss, du kannst zu diesem Thema nicht viel sagen, dazu bist du 22 Tage zu jung… J Aber vielleicht hast du ja trotzdem eine Idee?!

Wenn man es genau nimmt, bin ich ja noch gar nicht 41, sondern erst in ziemlich genau 3 Stunden…

Ich weiss noch genau, wie das als Kind war, als ich Geburtstag hatte: Am 19. Oktober ins Bett zu gehen war immer ganz schlimm, wusste ich doch ganz genau, dass  in der Nacht von meiner Mutter der Gschänkli-Tisch aufgebaut wurde. Ich konnte jeweils kaum einschlafen vor lauter Aufregung. Falls ich dann tatsächlich mitten in der Nacht aufwachte (was eher selten der Fall war -  „sie war jung und brauchte den Schlaf!“), stellte ich mich vor den Gschänkli-Tisch und versuchte herauszufinden, was in den einzelnen Päckli drin sein könnte. Nein, nein, aufgemacht habe ich mitten in der Nacht nie ein Päckli – das hätte ich mich dann doch nicht getraut.

Sollte ich die Nacht trotz aller Aufregung durchgeschlafen haben, war ich natürlich am Morgen meines Geburtstages ganz fix aufgestanden und rannte sofort zum Gschänkli-Tisch. Ich wurde nie enttäuscht, er war jedes Jahr da und jedes Jahr mussten die Geschenke noch vor dem Frühstück ausgepackt werden – ich hätte keine Sekunde länger warten können.

Heute gibt es natürlich keinen Gschänkli-Tisch mehr. Aber trotzdem bin ich an meinem Geburtstag morgens um 4 Uhr hellwach und kann nicht mehr einschlafen. Irgendwie beunruhigend, vor allem weil ich weiss, dass ich auch mit 41 noch meinen Schlaf brauche und mich spätestens in ein paar Stunden nach meinem warmen Bett sehnen werde.

Aber gut, was gibt es schöneres, als an seinem Geburtstag früh morgens am PC zu sitzen und die ersten Glückwünsche per Email zu lesen? Das ist beinahe so schön wie ein Gschänkli-Tisch!!

DD,

pretty in pink

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2009 10 21 – in Sachen Paul

Liebe Pretty in Pink,

Da hast Du mich grad einen Moment in Schweigen versetzt. Ja, was soll man dazu sagen. Ich glaube, ich kann nachvollziehen, was Du meinst, keine Trauer zu empfinden. Es könnte eventuell auch mit einer Leere umschrieben werden. Du schreibst, dass Dein bester Freund Paul sich in eine Situation brachte, die von allen Seiten nicht verstanden wurde und er sich mit Suizid aus dieser Situation quasi erlöste. Es scheint ein Kurzschlusshandlung gewesen zu sein, eine Kurzschlusshandlung, die alles ausgelöst hat und wahrscheinlich auch eine solche, die für ihn alles beendete. Wer kann schon wissen, was in ihm vorgegangen ist, dass es überhaupt soweit kommen konnte.

Machen wir uns doch nichts vor, wie oft habe ich selber schon etwas getan, das ich mir nicht erklären konnte, ja natürlich, nicht in diesem Ausmass und ich konnte mich immer wieder mit kleinen Schritten auf den korrekten Weg retour bewegen. Doch bei Paul war es wohl ein Schritt zu weit. Kannst Du Dir seine Verzweiflung vorstellen, es muss ihn in einer Art Ohnmachtszustand versetzt haben, aus der er keinen anderen Ausweg als den Suizid fand. Und weisst Du was, auch das braucht sehr viel Mut, diesen einen letzten Schritt zu tun. Ich könnte es nicht, ich hätte den Mut nicht, meinem Leben ein Ende zu setzen. Nun gut, Du hast Recht, wir sind doch beide Kämpfernaturen und verstehen nicht, wenn Menschen zu rasch aufgeben, und wenn wir ehrlich sind, ganz, ganz ehrlich, dann können wir auch nicht viel mit ‚schwachen’ Menschen anfangen, sie sind einfach nicht auf unserer Wellenlänge.

Nun zu Deinen Zweifeln an Deiner Menschenkenntnis, Du darfst Dir keine Vorwürfe machen, dass Du es hättest merken müssen. Du sagst ja selber, Paul war ein guter Rhetoriker und er schien zu wissen, wie er sich gegen aussen zu verhalten hatte, sodass seine Freunde nicht wirklich merkten, was vorging. Er hat diesen Weg gewählt und abermals können wir nicht beurteilen warum er so gehandelt hat. Er wollte wohl niemanden mit seinen Problemen belasten. Was wollte er wirklich dieser Paul. Wer war er? Wir werden es nie erfahren oder doch? Was kommt nach dem Tod? Vielleicht triffst Du wieder auf Paul in einem anderen Leben und falls ja, dann lass ihn erklären, was passiert ist und dann lass Deinen Gefühlen freien Lauf.

Ja Pretty in Pink, lass uns einen Moment an Paul denken, er hat Hoffnung und Glauben verloren, er ist aus dieser unserer Welt geschieden. Vielleicht nimmt er diese Worte auch wahr und Du hast ihn wissen lassen, dass er Dein bester Freund war und welche Zweifel Du gehegt hast und erwägt hast ihn zu besuchen oder an ihn zu schreiben. Du kannst im Moment nicht mehr tun, denk an ihn zurück als Deinen besten Freund und schliess diese letzte dunkle Phase seines Lebens aus Deinen Gedanken aus. Alles Gute Paul!

Deine Pinky

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2009 10 11 – Gedanken

Hi Pinky

Heute beschäftigt mich ein sehr ernstes Thema. Stell dir vor, einer deiner besten Freunde begeht Selbstmord und du empfindest keine Trauer. Wie geht man damit um? Ich bin im Moment mit dieser Situation total überfordert.

Der beste Freund, nennen wir ihn Paul, war selber in einer Situation, die ihn überfordert hatte. Vor drei Monaten hatte er sich in eine Situation hinein katapultiert, die sein ganzes Umfeld überrascht und schockiert hatte. Er beging eine Tat, die jedermann entsetzte und niemand nachvollziehen konnte. Auch ich nicht. Was mich am meisten belastete, war die Tatsache, dass Paul einer meiner besten Freunde war, den zu kennen glaubte. Aber ich kannte ihn nicht, niemand kannte ihn. Niemand wusste von seinen Selbstzweifeln, niemand wusste oder spürte, dass er mit seinem Leben absolut überfordert war.  Paul war ein Meister der Schauspielerei. Er trat immer sehr selbstbewusst auf, war ein fantastischer Rhetoriker und blendete so sein ganzes Umfeld.

Auch ich zweifle nun, ich zweifle an meinen Menschenkenntnissen, ich zweifle an meinem „Gspüri“, das mir mitteilen sollte, wenn es meinen Freunden nicht gut geht. Keine Sekunde hatte ich etwas gemerkt.

Nach dem schrecklichen Vorfall musste Paul in Untersuchungshaft. Lange war ich mir nicht schlüssig, ob ich Kontakt mit Paul wollte. Wollte ich ihn in der U-Haft besuchen? Wollte ich ihm einen Brief schreiben? Er war einer meiner besten Freunde, konnte ich ihn einfach so aus meinem Leben streichen? Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, aber ich entschied mich dafür, keinen weiteren Kontakt zu Paul aufzunehmen.

Und nun erhalte ich heute die Nachricht, dass ich nie mehr mit Paul Kontakt aufnehmen kann. Ueberrascht hat mich die Nachricht nicht. Seit er in U-Haft war, habe ich immer wieder gesagt, dass es mich nicht wundern würde, wenn Paul Suizid begeht. Auch andere Freunde Pauls bestätigten mir, dass sie ihn für suizidgefährdet gehalten hatten. Nun ist es passiert und ich empfinde keine Trauer. Was ich empfinde ist eine Leere und viel Mitleid mit den Hinterbliebenen. Sie müssen nun die Kraft aufbringen und mit Pauls feiger Entscheidung den Rest ihres Lebens umgehen können.

Machs gut, Paul. Ich hoffe, dass du jetzt findest, was du immer gesucht hattest.

DD,

pretty in pink

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2009 10 22 – kleines Highlight zum Film

Liebe Pretty in Pink,

Das muss ja die riesige Enttäuschung gewesen sein in der Riverdance Vorstellung, dass Du nicht mal bemerkt hast, dass nicht das gesamte Publikum um Dich herum getobt und geklatscht hat. Nein, Du, da sass noch eine neben Dir, es hat ihr auch nicht gefallen und ja, das war ich. Natürlich hast Du nicht vergessen, dass wir zusammen zum Riverdance gefahren sind, wie könntest Du auch. Kann auch verstehen, wie Du alles beschreibst, fühlte mich nämlich genauso, vielleicht noch mit einem kleinen Unterschied. Als ich nämlich im Foyer die ‚Ohrenstöpsel’ einpackte, erwartete ich eine Show, wo die Stühle in den Sitzreihen mit dem Rhythmus wackeln würden, statt dessen musste ich mich anstrengen, der Musik zu folgen, sie war so weit weg. Mich nervten sogar die Zuschauer in den hinteren Reihen, das Knistern von den Snack-Verpackungen, das Flüstern, das Gemurmel, all die fremden Geräusche, die eigentlich durch imposante Musik hätten übertönt werden sollen. So sass ich also neben Dir und fragte mich, warum Du wohl so geschwärmt hattest, ich fand es nicht grad so umwerfend. Heute nun weiss ich also, dass Du jedes Detail so in Etwa wie ich empfunden hast. Sind wir uns doch einmal mehr wieder einig.

Und ja, erinnerst Du Dich, wie wir kürzlich im absolut ‚richtigen Film’ gesessen sind. Damals im Kino, als wir gleich einen Tag nach der Premiere den neuen Film von Sandra Bullock ‚The Proposal’ schauen wollten. Haben wir ja auch und nur fünf, sechs Nasen waren im riesigen Saal. Ja, ja, es war ja die Frühvorstellung und relativ schönes Wetter. Das war ein Ton, der hat alles überspielt, kein Problem mit Geräuschkulisse von Zuschauern, na ja, so viel Lärm hätten die wenigen Besucher auch nicht veranstalten können. Wie auch immer, wir sassen da und guckten auf die grosse Leinwand und kugelten uns vor Lachen und plötzlich war da so viel Emotion im Film, es war mir zum Heulen. Das tat ich dann ja auch, hatten wir uns nicht vorher gesagt, dass wir weinen dürfen. Aber ja doch, auf einmal war es jedoch nicht mehr so klar, ob jetzt die Tränen vor lauter Lachen oder durch die Emotion hervorgerufen wurden. Es war einfach perfekt. Danke Pretty in Pink, das war ein cooler Anlass und danke für den Turtle Anhänger, den Du mir grad noch vor dem Film geschenkt hast!

Auf zum nächsten Abenteuer, freue mich auf unsere bevorstehende Deutschlandtour J

CU

Pinky

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